Termini/Registertermini

Mehrwortausdruck

Definition

Ein Mehrwortausdruck ist eine feste Verbindung von Wörtern, die als solche eine Einheit des Lexikons bildet und grammatische Eigenschaften aufweist.

Beispiele

  1. Das ewige Hin und Her geht mir auf die Nerven.
  2. Nur dem Anschein nach hatten sie aus den Fehlern der vergangenen Partie gelernt.
  3. Wo Männer meist noch Unterstützung finden, fehlt diese im Falle einer Frau fast immer.
  4. Auf Grund / aufgrund der jüngeren Ereignisse fällt das Treffen aus.
  5. Eine mathematische Wahrheit ist weder einfach noch kompliziert – sie ist!
  6. Es ist einsichtig, dass ein solcher Vorstoß Betriebsräten in anderen Firmen nicht schmeckt.
  7. ins Gras beißen / die Flinte ins Korn werfen / jmd. einen Korb geben
  8. eine Vereinbarung treffen, in Verlegenheit geraten, zur Kenntnis nehmen

Erläuterungen

Mehrwortausdrücke fungieren als solche analog zu einfachen Wörtern: Hin und her in (1) fungiert wie ein Nomen (z.B. Durcheinander), dem Anschein nach in (2) wie ein Modalwort (z.B. anscheinend), im Falle in (3) wie eine Präposition (z.B. bei), ins Gras beißen in (7) und eine Vereinbarung treffen in (8) wie ein Verb (sterben, vereinbaren). Dabei muss nicht unbedingt ein Einwortäquivalent vorhanden sein (5, 6); entscheidend ist, dass es sich im Sinne der Definition um eine feste Verbindung handelt. Das Beispiel (4) illustriert, dass es auch Entwicklungen zur Zusammenschreibung geben kann (aktuell sind beide Schreibvarianten zulässig), die als Indiz dafür gesehen werden kann, dass es sich um eine Einheit des Lexikons handelt.

Mehrwortausdrücke übernehmen als solche im Satz eine grammatische Funktion: Hin und her (1) ist Kern einer Nominalgruppe, dem Anschein nach (2) ist Kommentarglied, im Falle und auf Grund (3, 4) sind Kerne von Präpositionalgruppen, weder noch (5) ist eine paarige Konjunktion, ein solcher (6) fungiert als Artikel in einer Nominalgruppe und die Beispiele in (7) und (8) können als Prädikate von Sätzen gebraucht werden ((7) als sog. verbale Phraseologismen und (8) als Funktionsverbgefüge). Die grammatische Funktion lässt sich nicht aus der Summe der potentiellen Funktionen der Bestandteile des Mehrwortausdrucks bestimmen.

Grammatische Proben

Wenn eine feste Verbindung aus mehreren Wörtern als solche eine grammatische Funktion im Satz bzw. in einer Wortgruppe hat, die sich nicht aus der Summe der Bestandteile der Verbindung ergibt, ist es sinnvoll, einen Mehrwortausdruck anzunehmen.

Weitere Termini

-

Hinweise

Weiterführendes: Feste Verbindungen werden in der Linguistik traditionell als Phraseologismen bezeichnet. Dabei standen solche Mehrwortverbindungen im Mittelpunkt des Interesses, bei denen es zu einer übertragenen Bedeutung kommt (bspw. kann die Verbbedeutung sterben nicht aus den Wortbedeutungen von Gras und beißen abgeleitet werden). Für die Grammatik sind Mehrwortverbindungen generell dann interessant, wenn sie als feste Verbindung eine grammatische Funktion haben.

In den folgenden Definitionen wird auf Mehrwortausdruck verwiesen:

Visualisierung

Zusatzmaterialien

Zum Text

Letzte Änderung
Aktionen
Seite als PDF
Seite drucken
Seite zitieren

Seite teilen