
Wenn wir ausdrücken wollen, dass es möglich ist, etwas Bestimmtes zu tun, zum Beispiel wider Erwarten Blattgold zu essen, dann können wir Adjektive bilden wie essbar:
Solche Adjektive setzen wir zusammen aus dem Suffix -bar und dem Stamm eines Verbs wie essen. Mit -bar sind grundsätzlich alle Verbtypen kombinierbar, das heißt, außer Simplizia (essen) zum Beispiel auch Präfixverben (versenken), Suffixverben (analysieren) oder Präverbfügungen (annehmen). Üblich sind Kombinationen mit transitiven, passivfähigen Verben (essen, entwirren, verstehen, brauchen), mitunter auch mit intransitiven Verben (sinken, gerinnen, brennen):
Die Vitalität des Musters belegen vor allem die zahlreichen Gelegenheitsbildungen:
Die so gebildeten Adjektive haben meist eine passivische Bedeutung mit modaler Komponente: essbar heißt ‚kann gegessen werden‘, verstehbar ‚kann verstanden werden‘. Bei intransitiven Verben ist die Lesart dagegen aktivisch: brennbar bedeutet ‚kann brennen‘, gerinnbar ‚kann gerinnen‘. Kaum möglich sind Bildungen mit Verben, die kein persönliches Passiv erlauben, etwa mit Dativverben wie helfen oder gefallen: *helfbar, *gefallbar.
Auch unrockbar gehört zu diesem Muster: Basis ist das umgangssprachlich transitiv gebrauchte Verb rocken (die Halle rocken). Die Bildung spielt dabei erkennbar auf unkaputtbar an (s. u.):
Heute nicht mehr vital ist die Zusammensetzung des Suffixes -bar mit Nomina; es haben sich nur einige etablierte Adjektive erhalten, etwa fruchtbar, furchtbar, schandbar. Ursprünglich wurde damit ausgedrückt, dass etwas etwas mit sich bringt oder hervorruft: Ein fruchtbarer Acker trägt viele Früchte. Bei vielen dieser Wörter ist die nominale Basis heute kaum noch durchsichtig; furchtbar und dankbar werden eher mit den Verben fürchten und danken in Verbindung gebracht. Hier scheint noch der sprachgeschichtliche Ursprung des Suffixes durch: das althochdeutsche Adjektiv -bāri ‚tragend‘, das zum Verb beran ‚tragen‘ gehört.
Noch nie vital war die Zusammensetzung von -bar mit Adjektiven. Etablierte Bildungen wie offenbar sind absolute Ausnahmen. Daher ist die in der Werbung in den 90er Jahren kreierte unkaputtbare Cola-Flasche sofort aufgefallen - so wie es die kreativen Werber natürlich wollten.
1991 noch als Unwort des Jahres vorgeschlagen, ist unkaputtbar inzwischen aber offenbar als besonders griffiger Begriff akzeptiert:
Auffällig an der werbenden Kreation unkaputtbar ist ferner, dass es direkt mit dem Negationspräfix un- gebildet worden ist. Das ist bei -bar-Adjektiven an sich nicht ungewöhnlich: Die Kombination un- + -bar ist hochproduktiv (unschlagbar, unbezahlbar), und mitunter ist die negierte Form sogar geläufiger als die positive (unnahbar, unabdingbar). Bei unkaputtbar fehlte die Positivform anfangs jedoch ganz und fand erst später Eingang in den Sprachgebrauch.
Mitunter werden nach dem etablierten unkaputtbar weitere -bar-Adjektive aus Adjektiven abgeleitet:
Neben -bar gibt es weitere Möglichkeiten, Möglichkeit auszudrücken: das Suffix -lich (verständlich, erhältlich), bei Fremdwörtern -abel (akzeptabel neben akzeptierbar) sowie Umschreibungen wie lässt sich essen oder ist zu essen.