Das Kompositionsfugenelement

Nach Ortner et al. (1991: 54) weist "der weitaus größte Teil der Komposita" kein Fugenelement auf, nämlich 72,8% ihrer nominalen und 69,2% ihrer Adjektivkomposita, wobei Ortner et al. zahlreiche Elemente als Fugenelemente sehen, die hier als Flexionsaffixe verstanden werden (z.B. das Genitiv-s in Haushalts-). Die Fuge bei Verbkomposita ist bislang weniger exakt erforscht; soweit zu erkennen, ist sie immer leer.

Im Deutschen finden sich in Komposita die Fugenelemente

  • -i- (z.B. Stratigraphie)
  • -o- (z.B. Thermometer)
  • -s- (z.B. Geschwindigkeitsrausch)

Das Fugen-i-

Das aus dem Lateinischen entlehnte Fugenelement -i- wird extrem selten in Komposita, und zwar solchen, die nur aus Konfixen bestehen, verwendet (z.B. Stratigraphie, Plastinaut). Es ist gegenwärtig in der deutschen Standardsprache kaum produktiv.

Das Fugen-o-

In Komposita mit Konfixen griechischer Herkunft steht in der Regel das aus dem Griechischen entlehnte Fugenelement -o- (z.B. in Thermometer, anglophil, semantosyntaktisch). Auch Komposita aus Konfixen und einheimischen Wörtern zeigen -o- (z.B. Filzokratie, Tütophobie, Thermojacke). Das Fugen-o- wird offenbar nur in der Lehnwortbildung verwendet. Dabei zeigt sich eine Besonderheit: Während bei der Wortbildung mit einheimischen Einheiten die erste Einheit die Verwendung des Fugenelements steuert, richtet sich die prinzipielle Verwendung des Lehn-o- offenbar nicht nur nach der ersten, sondern ebenso nach der zweiten Einheit: Es kann auftreten, ganz gleich, ob die erste oder die zweite Einheit eine Lehneinheit ist, z.B. Tütophobie und Thermojacke. Endet die erste Einheit auf -o-, fällt das Auslaut-o- mit dem Fugen-o- zusammen (z.B. Biotop, egoman). Vgl. Das Konfixkompositum.

In Komposita finden sich folgende Fugenelemente:

Das Fugen-s-

Das einheimische Fugenelement -s- steht in der Regel in Komposita nach Ersteinheiten mit folgenden Suffixen:

  • -heit (z.B. Schönheitswahn, mehrheitsfähig)
  • -ion (z.B.Unionsvertreter, emotionsstark).
  • -ität (z.B. Identitätskrise, realitätsfern)
  • -keit/-igkeit (z.B. Flüssigkeitsdepot, höflichkeitshalber)
  • -schaft (z.B. Freundschaftsdienst, gemeinschaftsdienlich)
  • -ung (z.B. Heizungsmonteur, erwartungsgemäß).

Darüber hinaus zeigt sich eine Tendenz, das Fugen-s- immer dann einzusetzen, wenn die Ersteinheit komplex ist, z.B. Hochzeit in Hochzeitstorte. Im Gegensatz dazu wird bei Komposita, deren Ersteinheit einsilbig ist, häufig kein Fugen-s- verwendet (z.B. Zeitmaß). Vgl. dazu auch Eisenberg (1998: 232), Fuhrhop (1998: 180). Hier richtet sich die Verwendung des Fugenelements offenbar nach der Ersteinheit.

Mitunter zeigen sich regionale Unterschiede, etwa schweizerisch Abfahrtzeit gegenüber bundesdeutschem Abfahrtszeit, österreichisch Fabriksarbeiter gegenüber bundesdeutschem Fabrikarbeiter (nach Fleischer/Barz 1995: 141).

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