Aufbau der Grammatik des Deutschen im europäischen Vergleich. Das Nominal

Die Grammatik besteht aus vier Großkapiteln: A ,Funktionale Domänen‘, B ,Wort und Wortklassen‘, C ,Nominalflexion‘, D ,Nominale Syntagmen‘ (vgl. hierzu das Inhaltsverzeichnis).

In Großkapitel A werden die funktionalen Konzepte, die in den folgenden Kapiteln herangezogen werden, definiert und anhand von Beispielen aus den Vergleichssprachen illustriert. Es handelt sich um die funktionale Domäne ,Referenz‘ mit den Subdomänen ,Identifikation‘, ,Nomination‘, ,Modifikation‘ und ,nominale Quantifikation‘. Großkapitel B besteht aus zwei größeren Teilen: Teil B1 ist den nominalen Wortklassen gewidmet; hinzuweisen ist hier besonders auf das einleitende Überblickskapitel, das die Unterscheidung von nominalen Wortklassen allgemein und den nominalen Wortarten Artikel, Adjektiv und Substantiv begründet und einen typologischen Ausblick bietet. Zudem werden in B1 die ,Nominalhierarchien‘ (insbesondere die so genannte „Belebtheitshierarchie“) eingeführt, die als ein bedeutsames, wohl universal wirksames Strukturprinzip gelten und daher im gesamten Werk eine wichtige Rolle spielen. Teil B2 behandelt die nominalen Kategorisierungen (im Sinne von Eisenberg 2013a) Genus, Numerus und Kasus. Großkapitel C zur Nominalflexion greift die kategorialen Unterscheidungen von B2, ergänzt um die Klassifikation nach Person und Possession, als Ordnungsprinzipien wieder auf und behandelt nach dieser Maßgabe einerseits die Flexion von Pronomen, Artikel und Adjektiv und andererseits die Substantivflexion. Dabei sind sprachabhängige Schwerpunkte zu setzen. Die Kooperation flexivischer Markierungen der Wortformen in der deutschen Nominalphrase wird abschließend gesondert herausgearbeitet. Großkapitel D bietet mit Teil D1 einen umfassenden Überblick zur Syntax der Nominalphrase in den Vergleichssprachen. Dabei werden zunächst die Grundzüge der Nominalsyntax mit den zugehörigen Kategorien und syntaktischen Funktionen beschrieben. Daran schließt sich ein vergleichender Überblick über die syntaktischen Strukturen der Nominalphrasen in den Vergleichssprachen an. Die Teile D2 bis D5 beschreiben spezifische Formen nominaler Syntagmen. D2 befasst sich mit Nominalphrasen, deren Kopfposition nicht durch ein Substantiv, sondern durch ein Adjektiv oder Partizip belegt ist; der nominale Gebrauch dieser Ausdrucksklassen ist in den Vergleichssprachen in unterschiedlichem Maße grammatikalisiert. Kapitel D3 behandelt die zentrale Form substantivisch basierter attributiver Syntagmen, die ,possessiven Attribute‘, also Attribute, die wie die deutschen Genitivattribute prototypischerweise eine Possessorrelation ausdrücken. Teil D4 beschreibt das „Komplement“ zum Gegenstand von D3: die substantivisch basierten Attribute, die nicht possessiv sind (im definierten Sinne). Es handelt sich um Adpositionalphrasen, also Prä- bzw. Postpositionalphrasen oder auch Phrasen in einem semantischen Kasus wie vor allem im Ungarischen. Kapitel D5 beschreibt eine besondere Form des nominalen Syntagmas, die Numerativkonstruktion. Es stellt eine elaborierte Form der nominalen Quantifikation dar und hat einen von der Grundstruktur abweichenden syntaktischen Aufbau. Kapitel D6 und D7 behandeln mit dem Relativsyntagma und dem Partizipialattribut zwei nominale Syntagmen, die auf Verbformen beruhen und somit propositionale Information modifikativ in eine NP einbringen. Bei dem Spezialfall des ,freien Relativsatzes‘ ist zudem kein Kopfnomen gegeben, dem das Relativsyntagma attribuiert wird.

Behandelt werden somit im Wesentlichen der Kategorienbestand, die flexionsmorphologische und die syntaktische Struktur nominaler Einheiten und zwar sowohl unter formalen wie unter funktionalen Gesichtspunkten. Nicht systematisch behandelt werden die phonologische und die graphematische Strukturierung. Diese Ebenen werden nur dann berücksichtigt, wenn dort für die „höheren“ Ebenen der Nominalflexion bzw. der Syntax relevante Beschränkungen gegeben sind. Auch die nominale Wortbildung wird nicht in eigenen Kapiteln abgehandelt. Allerdings werden Derivation und Konversion, insbesondere aber Komposition vielerorts in größerem Detail angesprochen, und zwar vor allem, wenn mit diesen Verfahren sprachspezifisch bestimmte funktionale Domänen oder Subdomänen realisiert werden, bei denen in anderen Vergleichssprachen z.B. syntaktisch verfahren wird.

Die einzelnen Kapitel der Teile B und D sind im Allgemeinen nach folgender Vorgabe aufgebaut: In einem einleitenden Teil wird der Gegenstandsbereich unter Rückgriff auf die in Kapitel A eingeführten Konzepte funktional und ggf. typologisch charakterisiert. Dabei werden auch die für die Vergleichssprachen einschlägigen Varianzparameter herausgearbeitet. Diese Varianzparameter stellen Gliederungsgesichtspunkte für die folgenden Teile des Kapitels dar. Die Belegung der Varianzparameter, nicht die jeweilige Sprache ist somit strukturbildend. Das Deutsche – oder eine beliebige Kontrastsprache – wird daher im Verhältnis zu jeder der Varianzdimensionen thematisiert und in einem Kapitel, wie etwa Personalpronomen oder Numerativkonstruktion, in mehreren verschiedenen Abschnitten behandelt. Das Deutsche soll, wie bereits gesagt, im Vordergrund stehen. Allerdings ist an vielen Stellen auch eine detaillierte Behandlung der Optionen in Kontrastsprachen notwendig, um die Prinzipien der zwischensprachlichen Variation angemessen erfassen zu können. In der abschließenden Zusammenfassung eines Kapitels liegt der Schwerpunkt auf dem Deutschen: Hier soll der Ertrag für die grammatische Beschreibung des Deutschen kurz skizziert und ggf. auch eine Einordnung im Rahmen der europäischen Sprachen bzw. des „Standard Average European“ (SAE) vorgenommen werden. Der Gegenstand von Kapitel C, Nominalflexion, – die nominale Formenbildung – schließt eine direkte Orientierung an den funktionalen Konzepten von Kapitel A aus. Die Leistung morphologischer Markierungen besteht vorrangig in der ausdrucksseitigen Abbildung von Kategorien und Kategoriensystemen (wie Kasus, Numerus und Genus), die ihrerseits Gegenstand funktional orientierter Betrachtung sind (insbesondere in Teil B2). Was flexivische Markierungen anzeigen können, ist die Zugehörigkeit zu flexionsmorphologischen Kategorien, nicht schon Bedeutungen oder Funktionen, die bestimmten funktionalen Domänen zuzuordnen wären. Insofern Strukturen morphologischer Systeme aber durch die Funktionalität der Kategoriensysteme, die sie abbilden, geprägt sind, spielen damit vorgegebene semantische Gesichtspunkte, wie sie etwa für die verschiedenen Ausprägungen der Nominalhierarchie konstitutiv sind, für flexivische Differenzierungen (oder Nichtdifferenzierungen), etwa die ausdrucksseitige (Nicht-)Unterscheidung bestimmter Kasusformen, eine wesentliche Rolle. Die dabei zwischen den Einzelsprachen zu beobachtenden Unterschiede (oder Übereinstimmungen) bilden die Grundlage für flexionsmorphologische Parametersetzungen und es liegt insofern eine zu den übrigen Kapiteln analoge Fragestellung vor.

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Autor(en)
Lutz Gunkel, Adriano Murelli, Susan Schlotthauer, Bernd Wiese, Gisela Zifonun
Bearbeiter
Lale Bilgili
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