Abgrenzungsprobleme: Funktionsverbgefuge, Phraseolexeme, Pradikate mit Objektinkorporation
Drei Fragen mussen beantwortet werden:
- Sind diese Ausdrucke Komplemente und konnen sie im funktionalen Sinn als Argumente gelten?
- Wie fest, d.h. wie stark lexikalisiert oder auch wie idiomatisch sind sie als Wortverband, d.h. sind sie unveranderbar oder in welcher Hinsicht veranderbar?
- Was leisten sie im Vergleich mit ahnlichen oft strukturell einfacheren Formen.
Funktionsverbgefuge
Die Funktionsverbgefuge (FVG) bestehen aus einem sogenannten Funktionsverb und einer Nominalphrase (NP) im Akkusativ oder einer Prapositionalphrase (PP). Diese Phrasen tragen die Bedeutung des Gefuges, sie bilden semantisch den Pradikatskern.
Beispiele:
Abschied nehmen, Verzicht leisten,
Hoffnung/Ahnung/Ahnlichkeit haben, in Erscheinung treten, zum Ausdruck bringen, in Kraft
setzen
Die Funktionsverben haben eine "verblasste" Bedeutung im Vergleich zu ihrer Verwendung in der ursprunglichen Bedeutung. Sie enthalten einfache Bedeutungsanteile wie "kausativ", "passiv" oder drucken Zeitphasen aus wie "inchoativ" (einen Beginn ausdruckend) oder 'durativ' (eine Zeitdauer ausdruckend).
FVG lassen sich oft durch ein entsprechendes einfaches Verb oder durch Kopula mit einem entsprechenden Adjektiv ersetzen (In Auftrag geben - beauftragen, Anerkennung finden - anerkennen, in Bereitschaft versetzen - bereit sein.) FVG bilden Reihen aus, und zwar sowohl mit ihrem nominalen wie mit ihrem verbalen Bestandteil. Durch die Moglichkeit, auf diese Weise zeitliche Phasierungen auszudrucken, wird das System des verbalen Wortschatzes ausgebaut:
in Verbindung setzen/stehen/sein
in Betrieb nehmen/sein
in
Angst geraten/versetzen
Zustimmung erteilen/finden
in Angriff/in Anspruch/in
Betrieb/in Empfang/Kenntnis/Einblick/Einfluss nehmen
in Arbeit/in Auftrag/zu Ende, /in
Erfullung/in Druck gehen
Anwendung/Anerkennung/Gehor/Aufnahme/Berucksichtigung/Unterstutzung/ Beachtung finden
Die Valenzforderungen werden von der ursprunglichen Verbbedeutung auf die FVG ubertragen, z.B. der Akkusativ des Direktivkomplements in der Prapositionalphrase (in Auftrag/in Erfullung/in Konkurs gehen, in Kenntnis setzen, ins Abseits stellen). Bei anderen Verben steht der nominale Teil im Dativ des Situativkomplements: in Verbindung stehen, in Anwendung sein, sich in Gebrauch befinden)
In beiden Fallen sind die nominalen Bestandteile des Gefuges zwar Komplemente aber keine Argumente im funktionalen Sinne, da sie semantisch den Kern des Pradikatsausdrucks bilden.
Phraseolexeme
Phraseolexeme erscheinen in den unterschiedlichsten syntaktischen Strukturen, haben aber auch immer einen verbalen und einen nominalen Teil. Einige Beispiele:
mit Akkusativ-NP: das Bett huten, (jemandem) einen Korb geben, aufs
Korn nehmen
mit Dativ-NP: dem Fass den Boden
ausschlagen
mit Adverbialia: mit Kanonen auf Spatzen
schie?en, auf dem Trockenen sitzen
mit Subjekt: jemanden
laust der Affe, jemandem rutscht die Hand aus
mit Pradikativ: den Bock zum Gartner machen, auf der Hut sein
Formal sind die nominalen Bestandteile von Phraseologismen Komplemente, aufgrund ihrer Einbindung in das komplexe Pradikat haben sie aber keinen Argumentstatus.
Pradikate mit Objektinkorporation
Diese festen Verbindungen vom Type Ski/Schlitten/Auto fahren,
Klavier/Tennis/Skat spielen, Dank sagen, Halt machen, Kopf stehen bilden einen Ubergang zu
Wortbildungsprodukten. Die fruhere Schreibung bzw. orthografische Inkonsequenz hatte das deutlich
gezeigt: Auto fahren und Fu? fassen stand neben
radfahren und kopfstehen. Die Rechtschreibreform hat da Eindeutigkeit
geschaffen, indem die hierher gehorenden Ausdrucke alle nach dem gleichen Muster geschrieben
werden: Das Nomen gro? und getrennt vom Verb. Damit ist au?erlich der kompositionale Charakter
dieser Ausdrucke gestarkt worden. Das andert aber nichts an der gro?en Festigkeit der Ausdrucke und
der Tatsache, dass sie nach dem Muster von Verbkomposita gebildet sind:
Rad
fahren => Rad gefahren, abfahren => abgefahren; Maschine schreiben => sie schreibt
Maschine, aufschreiben => sie schreibt (...) auf.
Aus diesem Grund sind die nominalen Teile von Phraseolexemen weder Komplement noch Argumente.