Präteritum

Definition

Das Präteritum ist ein Tempus, das den im Satz ausgedrückten Sachverhalt prototypisch in der Vergangenheit einordnet. Das Präteritum wird durch Konjugation gebildet, bei schwachen Verben mit dem Wortbaustein -te und bei starken Verben mit verändertem Stammvokal. Es wird auch als Fiktionalitätssignal genutzt.

Beispiele

  1. Die Kinder rannten um die Ecke.
  2. Wir waren überglücklich, als wir am 13.1. von dem tollen Ergebnis erfuhren.
  3. Seine Großeltern hatten immer sehr viel Zeit für ihn.
  4. Die kleine Pia wurde damals von ihren Eltern sehr verwöhnt.
  5. Wir kamen über die Autostrada nach Florenz, das in einem breiten Tal lag.
  6. Sie hatte den Baum zu schmücken. Morgen war Weihnachten.

Erläuterungen

Das Präteritum ordnet einen Sachverhalt aus der Perspektive des Sprechzeitpunkts als vergangen ein (1-4). Für einen genaueren Zeitpunkt werden temporale Adverbiale benötigt (2, 4). Die Verwendung des Präteritums für andere zeitliche Kontexte (Allgemeingültigkeit 5 (Relativsatz)), Zukunft (6) ist weniger typisch als beim Präsens. Das Präteritum kann im Aktiv (1-3, 5, 6) und Passiv (4) verwendet werden.

Insbesondere in Beispiel 6 wird deutlich, dass die Funktion des Präteritums über die Kennzeichnung des Vergangenen hinausgeht, sondern das Präteritum auch genutzt werden kann, um anzuzeigen, dass sich die Äußerung auf einen fiktiven Verweisraum bezieht.

Grammatische Proben

Das Präteritum kann durch den spezifischen Wortbaustein (-te bei schwachen Verben: sag-enich sag-te) bzw. die Veränderung des Stammvokals ermittelt werden (bei starken Verben: sing-enich sang). Bei unregelmäßigen Verben wird -te mit Stammänderungen (bei den Vokalen, teilweise auch bei den Konsonanten) kombiniert (renn-enich rann-te; denkenich dach-te).

Weitere Termini

Vergangenheit

Diskussion: Die Bezeichnung Vergangenheit ist aus der Perspektive des Zusammenhangs von Tempusform und Zeitbedeutung hier eher zu vertreten als beim Präsens. Wenn man aber genau zwischen Tempusformen und Zeitbedeutungen unterscheiden möchte, sollte man die Bezeichnung Präteritum wählen, wenn man die Tempusform meint, zumal auch andere Tempusformen Vergangenheit ausdrücken können (Perfekt, Plusquamperfekt). Die Bezeichnung Imperfekt, die auf eine aspektuelle Bedeutung hinweist, wird von den meisten heutigen Grammatiken nicht mehr verwendet.

Hinweise

Weiterführendes: Die Ausführungen bezogen sich bisher ausschließlich auf den Indikativ Präteritum. Der Konjunktiv Präteritum wird vom Präteritalstamm abgeleitet (schrieb – er schriebe). Er wird inzwischen meist als Konjunktiv II bezeichnet. Der Konjunktiv Präteritum bzw. Konjunktiv II übernimmt nicht die Verortung in der Vergangenheit wie der Indikativ Präteritum. Er hat seinen zentralen Anwendungsbereich vielmehr in der Kennzeichnung einer Aussage als potentiell oder irreal.

Schulische Textsorten: Im Deutschunterricht wird die Verwendung des Präteritums an bestimmte Schreibaufgaben gebunden (bspw. Erzählung). Damit wird das Potenzial des Präteritums für die Einordnung in die Vergangenheit sowie als Fiktionalitätssignal genutzt. Zu beachten ist aber, dass in der gesprochenen Sprache meist im Perfekt erzählt wird. In der Gegenwartsliteratur wird darüber hinaus zunehmend das Präsens als Erzähltempus genutzt.

In den folgenden Definitionen wird auf Präteritum verwiesen:

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