Termini/Registertermini


Tempus

Definition

Tempus (Plural: Tempora) ist eine Kategorie des Verbs, mit der das Verb den im Satz ausgedrückten Sachverhalt aus der Perspektive der Sprechzeit und gegebenenfalls mit Bezug auf einen weiteren Referenzzeitpunkt in der Zeit einordnet. Die Tempusformen werden durch Konjugation (das heißt synthetisch, so Präsens und Präteritum) oder mit Hilfsverben (das heißt analytisch, so Perfektformen und Futur) gebildet.

Beispiele

  1. Die Kinder backen gerade einen Kuchen.
  2. Nächste Woche fahren wir nach Berlin.
  3. Wir fahren jedes Jahr nach Berlin.
  4. Die Kinder rannten um die Ecke.
  5. Die Kinder sind um die Ecke gerannt.
  6. Als ich nach Hause kam, hatte Fabian sein Zimmer bereits aufgeräumt.
  7. Nächste Woche werden wir nach Berlin fahren.
  8. Nächste Woche werden wir nach Berlin gefahren sein.
  9. Also … jetzt, wie wir schlafen gegangen sind, ist mir Plötzlich eingefallen, dass ich dem Fräulein nicht ‚Gute Nacht‘ gesagt habe. Die Schuhe hab‘ ich schon ausgezogen gehabt, aber ich bin doch hinüber in ihr Zimmer. (Stefan Zweig: Die Gouvernante.)
  10. In dem Augenblick fühlte er sich am linken Arm ergriffen und zugleich einen sehr heftigen Schmerz. Mignon hatte sich versteckt gehabt, hatte ihn angefasst und ihn in den Arm gebissen. (Johann Wolfang Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre)

Erläuterungen

Für das Deutsche werden in der schulgrammatischen Tradition sechs Tempora angenommen: Präsens (1-3), Präteritum (4), Perfekt (5), Plusquamperfekt (6), Futur I (7) und Futur II (8). In linguistischen Grammatiken werden auch das Doppelperfekt (9) und das Doppelplusquamperfekt (10) zu den Tempora gezählt. Die hier gewählten Beispiele belegen, dass diese Tempusformen durchaus auch in der Schriftsprache genutzt werden.

Mit den Tempusformen verorten wir einen Sachverhalt in einem zeitlichen Zusammenhang. Zu beachten ist dabei jedoch, dass im Deutschen keine 1:1-Entsprechung von Tempus und Zeitstufe vorliegt. So kann bspw. das Präsens auch für die Zukunft (2) und Allgemeingültigkeit genutzt werden (3) und Perfekt und Präteritum sind teilweise synonym (4, 5).

Die Einordnung eines Sachverhalts in Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit durch eine Tempusform erfolgt vorrangig aus der Perspektive der Sprechzeit: Beispielsweise hat (1) Gegenwartsbezug, (2 und 7) haben Zukunftsbezug und (3 und 4) haben Vergangenheitsbezug aus der Perspektive des Sprechers. Bei einigen Tempusformen ist ein zusätzlicher Referenzzeitpunkt relevant: Beispielsweise ist das durch das Plusquamperfekt in (6) eingeordnete Geschehen nicht nur vergangen in Bezug auf den Sprechzeitpunkt, sondern auch in Bezug auf den zusätzlichen Referenzzeitpunkt, der durch das Präteritum im Nebensatz angegeben wird.

Grammatische Proben

Die Tempusformen werden im Deutschen nicht einheitlich gebildet. Siehe dazu die einzelnen Tempora.

Weitere Termini

Zeiten/Zeitformen

Diskussion: Die Bezeichnung Zeiten oder Zeitformen ist problematisch, weil in vielen Fällen nicht unmittelbar aus der Tempusform auf eine Zeitbedeutung geschlossen werden kann. Vielmehr erfolgt die Einordnung in einen zeitlichen Kontext meist im Zusammenspiel mit anderen sprachlichen Mitteln (insbesondere temporalen Adverbialen). Siehe auch einzelne Tempora.

Hinweise

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In den folgenden Definitionen wird auf Tempus verwiesen:

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