Das Derivationsfugenelement

Sehr viel seltener als Kompositionsfugenelemente finden sich Fugenelemente zwischen Basis und Suffix in expliziten Derivaten, z.B. in öffentlich, Bekenntnis.. Fraglich ist, ob diese Einheiten überhaupt als Fugenelemente analysiert werden sollten.

  • Zum einen werden diese Elemente in der Forschungsliteratur als eine eigene Parallelkategorie von den Kompositionsfugenelementen separiert. Für diese eigene Kategorie hat sich der Terminus Interfix durchgesetzt.
  • Zum anderen werden diese Elemente als Bestandteile der nachfolgenden Suffixe angesehen, also als Suffixerweiterungen. Die Derivate sind danach zu analysieren als: öffen- (= Basis) + -tlich (= Suffix).

Gegen die Interfixhypothese spricht:

  • Während sich das einheimische Kompositionsfugenelement -s- sprachhistorisch aus Flexionsaffixen entwickelt hat, gibt es für die Fugenelemente in Derivaten offenbar keine vergleichbar klare Entwicklungslinie. Vgl. Fugenelement versus Flexionsaffix. Dieser sprachhistorische Unterschied genügt allerdings nicht, Derivationsfugenelemente als eigene Kategorie von den Fugenelementen abzugrenzen, zumal die Gemeinsamkeit der Merkmale mit den Kompositionsfugenelementen überwiegen: Derivationsfugenelemente sind ebenso wie Kompositionsfugenelemente semantisch leere Einheiten, die die Wortbildungsfuge füllen und vor allem der leichteren Aussprache und Rezeption dienen. Zudem ist der Terminus Interfix ungünstig, weil er suggeriert, die mit ihm bezeichneten Elemente gehörten zu den anderen mit -fix bezeichneten Einheiten der Wortbildung, seien also in eine Reihe zu stellen mit Konfix, Präfix, Suffix oder Zirkumfix. Zwischen Interfixen und den übrigen mit -fix bezeichneten Einheiten bestehen jedoch erhebliche Unterschiede: Interfixe sind semantisch leere Elemente, während Konfixe und Affixe überwiegend Bedeutung haben. Die als Interfixe bezeichneten Einheiten fungieren als phonologischer Kitt zwischen den Wortbildungseinheiten, während Konfixe und Affixe selbst Wörter bilden.

Gegen die Suffixerweiterungshypothese spricht:

  • Elemente wie das -t- in öffentlich und Bekenntnis dienen eindeutig der leichteren Aussprechbarkeit, siehe vor allem *Bekennnis; sie werden zwischen Basis und Suffix geschoben und gehören offensichtlich nicht zum Suffix. Während sich nämlich Suffixerweiterungen immer sprachhistorisch rechtfertigen lassen (vgl. Die Suffixvariante), ist dies bei Elementen wie dem -t- nicht der Fall.

Daher werden hier Elemente wie das -t- in öffentlich als Fugenlemente angesehen.

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