Gesprochenes Deutsch

ZielgruppeLehrende; Lernende mit Grammatik-Vorkenntnissen (Niveaustufe B2)
Grammatische ElementeVerberstsatz, Verbzweitsatz, Verbletztsatz, Subjunktor, Nebensatz, Komplementsatz, Infinitivkonstruktion
Lernziele
  • mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch unterscheiden
  • charakteristische Strukturen gesprochener Sprache identifizieren

Lesen Sie die Beispiele (1) und (2):

(1) Bin schon weg, wollt nur schnell meinen Mantel holen. (Duden-Grammatik 2022, S. 302)
(2) Ich helf dir, weil ich kenn mich hier aus. (Datenbank für Gesprochenes Deutsch, FOLK_E_00167_SE_01_T_01_DF_01/c396)
Wenn Sie mit der deutschen Grammatik einigermaßen vertraut sind, werden Ihnen vermutlich einige Besonderheiten auffallen. Welche sind das?
  • Üblicherweise brauchen Verben im Deutschen ein Subjekt, trotzdem fehlt im ersten Satz bei beiden Verben bin und wollt das Subjekt ich.
  • Außerdem steht bei Aussagesätzen wie (1) das Verb üblicherweise an zweiter Position und nicht im Vorfeld.
  • Das Präteritum von wollen in der 1. Person Singular lautet nicht wollt, sondern wollte. Ähnliches finden wir auch im Satz (2): Ich helf(e), ich kenn(e) mich aus.
  • Auch in Satz (2) ist die Position des Verbs sich auskennen ungewohnt. Subjunktoren wie weil leiten in der Regel Nebensätze ein, in denen das Verb ganz am Ende steht: „weil ich mich hier auskenne“.

Wenn man sich strikt an die Grammatikregeln hält, die üblicherweise im Deutschunterricht vermittelt werden, erscheinen die Sätze (1) und (2) als auffällig. Man darf aber nicht vergessen, dass die im Deutschunterricht gelehrte Grammatik zumeist auf geschriebener Sprache basiert. Sätze wie (1) und (2) wären in einem schriftlichen Text eher nicht akzeptabel, aber in der gesprochenen Umgangssprache sind sie absolut unproblematisch – so sprechen selbst viele Muttersprachlerinnen und Muttersprachler des Deutschen in ihrem Alltag.

Die Sätze (1) und (2) zeigen uns also einige Besonderheiten des gesprochenen Deutsch. Genau solche Besonderheiten sind das Thema dieses Lernbausteins, nämlich:

Solche grammatischen Phänomene sind besonders wichtig für Lernende, die Deutsch direkt im deutschsprachigen Raum lernen. Sie kommen dort viel häufiger mit Umgangssprache in Kontakt als Lernende, die Deutsch als Fremdsprache im Ausland lernen. Auch diese profitieren davon, wenn sie einmal nach Deutschland reisen und im Alltag die Sprache aktiv anwenden.

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Autor(en)
Giorgio Antonioli
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