Nominalgruppe

Definition

Die Nominalgruppe ist eine Wortgruppe mit einem Nomen (oder auch Pronomen) als Kern. Es können auch Vertreter anderer Wortarten als Kern einer Nominalgruppe gebraucht werden (Nominalisierung). Der Kern bestimmt das Genus; in Bezug auf die Deklinationskategorien Kasus und Numerus sind die Konstituenten der Nominalgruppe aufeinander abgestimmt (Kongruenz). Die Deklinationskategorien werden meist am Artikel gekennzeichnet. Nominalgruppen können durch Attribute ausgebaut werden.

Beispiele

  1. [Der neue Tisch] gefällt mir gut.
  2. [Jeden Tag] kommt sie vorbei.
  3. [Das hier] ist eine Azalee.
  4. Das sagen [viele von uns].
  5. Karl mag [das leuchtende Grün] in seinem neuen Wohnzimmer.
  6. [Die Untersuchung] dauerte drei Stunden.
  7. [Dein ewiges Nein] geht mir auf die Nerven.
  8. [Sogar die alte Truhe] könnte gut aussehen.
  9. Ich kaufe [einen alten Tisch].
  10. Er ist [ein guter Lehrer].
  11. [Das Auto [meines Vaters]] fährt schnell.
  12. Wir sehen [Blumen [am Weg]].
  13. [Das Versprechen, [sie zu besuchen]], hast du vor langer Zeit gegeben.
  14. [Das laute Lesen [dieses überaus schwierigen Textes, [den die Lehrerin vorgegeben hat,]]] gelingt ihr immer besser.
  15. Elvira wartet auf [ihre Freundin].

Der Kern ist fett gedruckt, die Gruppe geklammert.

Erläuterungen

In der Nominalgruppe ist der Kern ein Nomen (1-2, 8-12, 15), ein Pronomen (3-4) oder eine Nominalisierung (5-7, 13, 14), diesen kann ein Artikel vorausgehen. Vor dem Artikel kann eine Fokuspartikel (Partikel) stehen (8). Adjektivattribute stehen zwischen Artikel und Kern (5, 7-10). Auf den Kern können weitere Attribute folgen (z.B. ein Genitivattribut (11), ein Präpositionalattribut (12) oder ein nebensatzförmiges Attribut (13)). In (14) treten verschiedene Attribute vor (pränominal) und nach (postnominal) dem Bezugsnomen auf: Das Adjektivattribut steht vor dem Nomen Lesen, darauf folgt ein Genitivattribut sowie ein Relativsatzattribut.

In der Nominalgruppe haben alle flektierbaren Gruppenmitglieder denselben Kasus und denselben Numerus (ausgenommen eingebettete Nominalgruppen mit Attributstatus). Der Kern bestimmt das Genus der Gruppe: ein junger Baum, eine junge Pflanze, ein junges Fohlen; der Artikel bestimmt die Flexionsart des Adjektivattributs (der alte Tisch, ein alter Tisch).

Nominalgruppen können Teil einer anderen Wortgruppe sein. In (11) ist die Nominalgruppe meines Vaters Teil der Nominalgruppe das Auto meines Vaters. In (15) ist die Nominalgruppe ihre Freundin Teil der Präpositionalgruppe auf ihre Freundin. Außerdem können in die Nominalgruppe weitere Wortgruppen eingebettet sein. In (12) ist die Präpositionalgruppe am Weg Teil der Nominalgruppe Blumen am Weg. In (4) ist von uns eine Präpositionalgruppe in der Nominalgruppe viele von uns.

Eine Nominalgruppe kann verschiedene Funktionen im Satz übernehmen, sie kann als Satzglied fungieren (Subjekt (1, 3, 4, 6-8, 11, 14), Objekt (5, 9, 12, 13), Adverbial (2), Prädikativ (10)) oder als Attribut (die eingebetteten Nominalgruppen in 11, 14). Als Teil der Präpositionalgruppe in (15) ist die Nominalgruppe Teil eines Präpositionalobjekts.

Grammatische Proben

Ausgehend vom Kern einer Nominalgruppe werden alle Ausdrücke, die zur Nominalgruppe gehören, bestimmt: Der Kern einer prototypischen Nominalgruppe ist ein Nomen, ein Artikel steht am linken Rand einer Nominalgruppe und ein Adjektiv kann vor den Kern treten. Die Nominalgruppe als Ganzes kann in einem Satz verschoben und durch ein Pronomen ersetzt werden: [Das Versprechen, [sie zu besuchen]], hast du vor langer Zeit gegeben. - Du hast vor langer Zeit [das Versprechen, [sie zu besuchen]], gegeben. - Das hast du vor langer Zeit gegeben.

Weitere Termini

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Hinweise

Weiterführendes: Nominalgruppen können nicht nur Bestandteile von Sätzen sein, Nominalgruppen im Nominativ kommen auch als selbstständige Einheiten von Texten und Gesprächen vor, z.B. als Überschrift in einem Text (Die Parlamentswahl in Russland) oder als Grußformel in einem Gespräch (Schöne Ferien!). Die Struktur von Nominalgruppen kann ähnlich dem Satz in einer Felderstruktur beschrieben werden, bei der Artikel und Nomen klammerbildend sind. Zwischen Artikel und Nomen (im nominalen Mittelfeld) können pränominale Attribute stehen, nach dem Nomen (im nominalen Nachfeld) stehen postnominale Attribute.

Orthografie: Der Kern einer Nominalgruppe wird großgeschrieben, vgl. z.B. (1, 5, 7). Aber: Ist ein Pronomen der Kern, wird das Pronomen kleingeschrieben: (9) Das sagen viele von uns. Bei nominalisierten/substantivierten Pronomen gilt Großschreibung (vgl. z.B. das einsame Ich). Nominalisierte Pronomen sind artikel- und adjektivattributfähig, echte Pronomen als Kerne nicht; sie können nur Präpositionalattribute oder Adverbattribute haben: Ein junggebliebener Er sucht eine hübsche Sie. / *Junggebliebener er sucht ...

Variation/Stil: In bestimmten kommunikativen Bereichen und Textsorten (bspw. in Fachsprache und Behördenkommunikation) sind Nominalgruppen häufig stark ausgebaut (‚Nominalstil’).

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