2.4 Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv
In festen Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv, die als Ganzes eine begriffliche Einheit bilden, richtet sich die Schreibung des adjektivischen Bestandteils nach der jeweils zugrunde liegenden Bedingung.
(1) Der adjektivische Bestandteil wird kleingeschrieben
(1.1) bei wortlichem Gebrauch, das hei?t, wenn sich die Gesamtbedeutung der
Verbindung aus der Bedeutung der einzelnen Teile erschlie?en lasst:
die
absolute Mehrheit, die alten Sprachen, der freie Mitarbeiter, das geistige Eigentum, der
genetische Fingerabdruck, die kalte Platte, die letzte Ehre, die naturliche Person, das
stille Wasser
(1.2) bei metaphorischem oder metonymischem Gebrauch, das hei?t, wenn einer der
beiden Bestandteile der Verbindung eine figurative Bedeutung hat oder die Verbindung als
Ganzes figurativ gebraucht wird:
der blinde Passagier, die faulen
Geschafte, das starke Geschlecht, der wilde Streik; die biologische Uhr, der geistige
Vater, der kleine Mann, ein offenes Ohr; die graue Maus, der harte Kern, der rote
Teppich, das teure Pflaster
E1: Zur Schreibung metonymisch gebrauchter Verbindungen wie der Ferne Osten, die zu inoffiziellen Eigennamen geworden sind, ? ? 60(5).
(2) Der adjektivische Bestandteil kann gro?geschrieben werden
(2.1) in Verbindungen mit einer idiomatisierten Gesamtbedeutung, das hei?t,
wenn die Verbindung als Ganzes eine neue lexikalische Bedeutung annimmt. In diesen Fallen
kann durch Gro?schreibung der besondere Gebrauch der Verbindung zum Ausdruck gebracht
werden:
der blaue/Blaue Brief (= Verwarnungsschreiben),
der runde/Runde Tisch (= Verhandlungstisch, Verhandlungsrunde),
das schwarze/ Schwarze Brett (= Anschlagtafel), das
zweite/Zweite Gesicht (= Fahigkeit des Hellsehens)
(2.2) in fachsprachlich oder terminologisch gebrauchten Verbindungen wie auch
in Bezeichnungen fur Fachabteilungen, Fachbereiche, Wissenschaftszweige und
Studiengange:
die dringliche/Dringliche Anfrage (Politik),
der falsche/Falsche Hase (Kochkunst), der goldene/Goldene
Schnitt (Mathematik), die leichte/Leichte Sprache
(Sprachwissenschaft), der letzte/Letzte Wille (Recht), die
multiple/Multiple Sklerose (Medizin), das neue/Neue
Steuerungsmodell (Verwaltung), die rote/Rote Karte (Sport),
das schwarze/Schwarze Loch (Astronomie);
die
erste/Erste Hilfe, der gelbe/Gelbe Sack, das gro?e/Gro?e Latinum, die mittlere/Mittlere
Reife
die angewandte/Angewandte Mathematik, die innere/Innere
Medizin, die organische/Organische Chemie, die theoretische/Theoretische
Physik
E2: Von der Moglichkeit, gro?zuschreiben, wird nicht in allen Fachsprachen Gebrauch gemacht. Zu Beispielen mit ausschlie?licher Kleinschreibung siehe das Worterverzeichnis.
E3: Bei anderen fachsprachlichen Bezeichnungen von
Klassifizierungseinheiten etwa aus der Botanik und Zoologie, aber auch aus einigen weiteren
Fachbereichen wird der adjektivische Bestandteil gro?geschrieben:
das
Flei?ige Lieschen, der Grune Veltliner, der Rote Milan, die Schwarze
Witwe
die Alte Geschichte, der Neue Markt
Zu
Beispielen mit ausschlie?licher Gro?schreibung siehe das Worterverzeichnis.
(3) Der adjektivische Bestandteil wird gro?geschrieben
(3.1) bei Titeln, Ehren- und Amtsbezeichnungen:
der Regierende
Burgermeister, die Konigliche Hoheit, der Heilige Vater, der Erste Staatsanwalt, die
Leitende Ministerialratin
(3.2) bei offiziellen sowie kirchlichen Feier- und
Gedenktagen:
der Erste Mai, der Internationale Frauentag, der Heilige
Abend
E4: Bei Funktionsbezeichnungen, bei Benennungen fur besondere
Anlasse und Kalendertage sowie ritualisierten Ausdrucken ohne Artikel in Verbindung mit
Verben des Sagens kann gro?geschrieben werden:
der erste/Erste
Vorsitzende, der technische/Technische Direktor; die goldene/ Goldene Hochzeit, das
neue/Neue Jahr
guten/Guten Tag sagen (aber
einen guten Tag wunschen), herzlichen/Herzlichen Gluckwunsch
sagen, frohe/Frohe Weihnachten wunschen
Das gilt entsprechend auch fur
Ausdrucke, die nur aus einem Wort bestehen oder deren Erstbestandteil kein Adjektiv
ist:
hallo/Hallo sagen, auf/Auf Wiedersehen
heruberrufen
vacat
