Position und Bewegung in den drei Dimensionen

Stellen wir uns eine alltägliche Situation vor. Wir wollen verreisen und müssen unseren Koffer packen, aber wir finden ihn nicht. Deswegen fragen wir: "Wo ist der Koffer?". Die Beispiele unten zeigen einige mögliche Antworten:

(1) Der Koffer ist oben.
(2) Der Koffer ist unter der Sitzbank.
(3) Der Koffer ist neben der Tür.
(4) Der Koffer ist hinter der Tür.

Die Sätze (1) bis (4) beschreiben die Position des Gegenstandes Koffer, allerdings unterschiedlich. In (1) befindet sich der Koffer höher als ein anderer unbenannter Gegenstand – nicht unbedingt der Sprecher. In (2) ist der Koffer auf einer vertikalen Linie mit dem Gegenstand Sitzbank. In (3) ist der Koffer auf einer horizontalen Linie in der Breite mit dem Gegenstand Tür. Auch in (4) ist der Koffer auf einer horizontalen Linie in der Tiefe mit der Tür. Merken wir uns die Wörter Höhe, Breite (oder Länge), Tiefe. Diese drei Größen kennen wir als die drei Dimensionen. Dementsprechend heißen die markierten grammatischen Elemente in (1) bis (4) dimensionale Lokaladverbialia.

Auch die Zustandsverben stehen und liegen sowie die Handlungsverben stellen und legen haben mit den drei Dimensionen zu tun:

(5) Der Koffer steht neben der Tür.
(6) Der Koffer liegt unter der Sitzbank.
(7) Stell den Koffer neben die Tür!
(8) Leg den Koffer unter die Sitzbank!

Die Sätze (5), (6), (7), (8) geben eine zusätzliche Information über die dimensionale Ausrichtung des Gegenstands Koffer. In (5) befindet sich der Koffer in vertikaler Position, in (6) befindet sich der Koffer in horizontaler Position. In (7) und (8) wird der Koffer in vertikale bzw. horizontale Position gebracht.

Wir können auch die Richtung einer Bewegung in den drei Dimensionen beschreiben:

(9) (Im Aufzug): Fahren Sie nach oben? Nein, nach unten.
(10) Nicht in jeder Sprache wird von links nach rechts geschrieben.

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Autor(en)
Giorgio Antonioli
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