Adjunktorphrase

Andere Bezeichnung:

Adjunktorgruppe (vgl. französisch: groupe adjonctif); Vergleichsphrase

Adjunktorphrase im Überblick

Kopf (vgl. frz.: base, noyau, tête) einer Adjunktorphrase ist ein Adjunktor (vgl. frz.: adjoncteur). Die Adjunktorphrase baut sich aus dem Adjunktor und verschiedenen Phrasentypen oder einem Verbletztsatz auf. Adjunktorphrasen können – wie Präpositionalphrasen – nicht nur aus ihren Köpfen (als bzw. wie) bestehen.

Verschiedene Phrasentypen oder ein Verbletztsatz sind neben dem Adjunktor Bestandteil der Adjunktorphrase.

Als und wie leiten einen Vergleich ein oder dienen zur Charakterisierung einer Person oder eines Gegenstandes. Dabei hebt als den Unterschied hervor, während wie die Ähnlichkeit unterstreicht. Bei wie-Phrasen erfolgt die Identifikation durch Analogie, d. h. durch Verknüpfung mit einer externen Bezugsgröße (frz.: comme). Bei einer als-Phrase erfolgt die Identifikation durch die Hervorhebung eines bestimmten Merkmals der Person bzw. des Gegenstandes selbst (interne Referenz) (frz.: en tant que, comme).

er redet wie ein Politiker (frz.: il parle comme un politicien): seine Redeweise entspricht der eines Politikers

er redet als Politiker (frz.: il parle en tant que politicien) und redet in dieser Eigenschaft

als dient zur Markierung der Rektion mancher Verben: gelten, betrachten, sich erweisen, bezeichnen, charakterisieren.

Für den Muttersprachler scheint der Unterschied zwischen als und wie durchaus nicht immer klar zu sein. Für den Deutschlerner kann dies verwirrend sein, zumal er nicht immer einen semantischen Unterschied erkennen wird:

Er ist größer als du, aber regional auch: er ist größer wie du.

(Ersatz des vergleichenden wie durch als ist dagegen nicht belegt.)

Ähnlich beim Gebrauch als Subjunktor:

Als sie da so traurig guckte, tat sie mir leid, aber auch: wie sie da so traurig guckte, tat sie mir leid.

Auch werden die französischen Entsprechungen en tant que, comme und que nicht einfach analog zu den deutschen Adjunktoren benutzt. Bei Vergleichen wird zur Markierung von Unterschied und von Gleichheit immer que benutzt: plus grand que..., aussi grand que... Dem temporalen Subjunktor als entsprechen quand, lorsque oder après que. Dabei gerät aus dem Blickfeld, dass dem deutschen Subjunktor als ja derselbe Doppelbezug (A als B) zugrunde liegt wie dem Adjunktor als, nur dass er dann zwei Ereignisse temporal aufeinander bezieht − der Zeitpunkt von A wird durch B bestimmt: (A, als B) oder (als B, A) – und dabei jeweils den Nebensatz einleitet.

Die Adjunktoren als und wie ergänzen einander, sie sind komplementär: als weist einem Grundelement eine zweite Identität zu, es formuliert A in den Kategorien von B; wie dagegen konstatiert für zwei verschiedene Grundeinheiten einen gemeinsamen Faktor. Für wie ist dies intuitiv leicht zu verstehen: zwei Personen oder Dinge haben ein gemeinsames Merkmal. Anders bei als:

Klaus ist größer als Inge besagt, dass für die Größenbestimmung von Klaus eine zweite Identität, nämlich Inge, hinzugezogen wird, wobei dann allerdings ein Korrektiv hinzugefügt werden muss (ausgedrückt durch den Komparativ), damit die Vergleichbarkeit möglich ist. Im Frz.: que.

Ein Komparativ kombiniert mit wie ist nach dieser Logik ein Widerspruch in sich.

Er spricht als Politiker oder sie verkleidet sich als Schneewittchen besagt, dass jemand hier eine zweite Identität annimmt, eine Rolle spielt; aber hinter der Funktion bzw. in der Verkleidung steckt dieselbe Person. Im Frz.: en tant que, en oder comme.

In dem Satz Als die Tür aufging, erschraken die Anwesenden wird der Zeitpunkt eines Ereignisses (die Anwesenden erschraken) durch ein anderes Ereignis bestimmt (die Tür ging auf), es wird mit Hilfe einer zweiten Identität bezeichnet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die beiden Ereignisse gleichzeitig oder nacheinander geschehen, denn dies wird nicht durch als, sondern durch den Verbalaspekt ausgedrückt: Als der Redner geendet hatte, klatschte das Publikum.

PhrasentypAdjunktorphrase
Nominalphrase [ich] als guter Mensch
[besser] als mein letztes Auto
wie ein Dummkopf
Pronominalphrase[klüger] als einer, der Politik macht
wie einer, der alles aussitzen kann
Präpositionalphrase[besser] als im Theater
wie im Bundesrat
Adjektivphraseals besonders gut
wie schlimm
Adverbphrase[besser] als da unten
wie dort oben
SatztypAdjunktorphrase
Verbletztsatz[wichtiger], als du es damals glaubtest
[so wichtig], wie du es nie gesagt hast

syntaktische Struktur

Adjunktoren regieren im Gegensatz zu Präpositionen keine Kasus. Sie sind kasustransparent. Der Kasus des Nomens oder Pronomens innerhalb der Adjunktorphrase ist identisch mit dem Kasus des Bezugsausdrucks außerhalb der Adjunktorphrase:

Obwohl prinzipiell links und rechts von als Kasus-Parallelismus in Abhängigkeit von der Verbrektion herrscht (siehe obige Tabelle), gibt es Fälle von scheinbaren Abweichungen:

Das Publikum nahm die Ehrung des Japaners als bester Nachwuchsregisseur mit Jubel auf.

In solchen Fällen wirkt die rechts angebundene NP so, als stünde sie in Anführungsstrichen und bildet daher kasustechnisch eine Insel; sie ist weder parallel zum Kopf der links von als stehenden NP (die ja hier im Akkusativ steht) noch zu deren Genitiv-NP-Erweiterung. Regiert wird sie von dem Verb ehren (als) in einem durch Umformung zu erschließenden, logisch zugrunde liegenden Satz des Typs

Der Japaner wurde als bester Nachwuchsregisseur geehrt.

Der Sprachvergleich wirkt auch hier erhellend: im Frz. werden solche Sätze ohne Adjunktor gebildet:

Le metteur en scène japonais a été nommé/qualifié meilleur jeune espoir.

Diesen Fällen begegnet man häufig bei Verben der Benennung oder Bezeichnung und deren Substantivierung.

syntaktische Eigenschaften

Adjunktorphrasen können unterschiedliche syntaktische Funktionen übernehmen. Sie können fungieren als

Komplement, Supplement (Verbgruppenadverbiale) oder als Nomensupplement (Attribut):

Es ist, wie es ist.
Er gilt als besonders schlau.
Maria betrachtet ihn wie einen, dem geholfen werden muss.
Sie verhielten sich wie im Zirkus.
Sie läuft schnell wie ein Wiesel.
Ein Schauspieler wie er hat immer Erfolg.
Er als großer Schauspieler ist bestens geeignet.

In Positivsätzen und in Komparativsätzen fungieren Adjunktorphrasen als Komplemente der Gradangabe des Adjektivs:

Sie läuft schneller als ein Wiesel.
Es war schöner, als wir uns das gedacht haben.
Petra läuft so schnell wie ein Wiesel.
Nie war es so schön wie heute.

Zur Vermeidung einer klanglich als unschön empfundenen Doppelnennung wird (zumindest schriftsprachlich) bei Aufeinandertreffen zweier als das erste durch denn ersetzt. Dieser Fall tritt ein, wenn in einer zweigliedrigen komparativen als-Struktur des Typs lieber A als B die Bezugseinheiten A und B ihrerseits als-Adjunktorphrasen sind: lieber (als X) als (als Y). Der Ersatz durch denn betrifft dann das als der übergeordneten komparativen Struktur:

Er ist überzeugender als Schauspieler denn als Regisseur.

semantisch-funktionale Eigenschaften

Adjunktorphrasen haben aufgrund ihrer unterschiedlichen syntaktischen Funktionen auch unterschiedliche semantisch-funktionale Eigenschaften.
Mit Adjunktorphrasen werden Bezugsgrößen oder Prädikate näher charakterisiert. Sie sagen also etwas über ihre Bezugsgrößen aus:

ein Kerl wie dieser
ein Buch wie dieses

Erfragbar durch Was für ein Kerl/Buch?


oder bestimmen Prädikate näher:

Petra läuft wie ein Wiesel.

Erfragbar durch Wie läuft sie?


Zwischen den Adjunktorphrasen und den Bezugsobjekten werden dabei unterschiedliche semantische Relationen hergestellt:

Identifikation ein Kerl wie dieser
Einordnung das Auto als reines Transportmittel
Vergleichein Mensch wie ein Baum

Zum Text

Letzte Änderung
Aktionen
Seite als PDF
Seite drucken
Seite zitieren

Seite teilen