Formenparadigmen der Hilfsverben

Betrachtet man die vollständigen Paradigmen der Verben haben, sein und werden, so zeigt sich, dass meist nur Teile von ihnen zur Bildung von Verbalperiphrasen dienen:

  • bei haben und sein nur die Präsens- und Präteritumformen im Indikativ und Konjunktiv (zu superkomponierten Formen siehe unten):

Präsens: Er hat/habe gearbeitet.
Präteritum: Er hatte/hätte gearbeitet.
Präsens: Er ist/sei gekommen.
Präteritum: Er war/wäre gekommen.

  • bei werden I nur die Präsensform im Indikativ und Konjunktiv und die Konjunktiv-Präteritum-Form von werden (die sog. würde-Form):

Präsens: Das Mädchen wird/werde rufen.
Präteritum: Das Mädchen würde rufen.

  • bei werden II das gesamte Paradigma von werden, also auch die Formen des Futurs, des Perfekts, des Plusquamperfekts und des Futurperfekts, bei denen es zur Entstehung von mehrfachen Periphrasen kommt:

Präsens: Das Mädchen wird/werde gerufen.
Präteritum: Das Mädchen wurde/würde gerufen.
Futur: Das Mädchen wird/werde gerufen werden.
Perfekt: Das Mädchen ist/sei gerufen worden.
Plusquamperfekt: Das Mädchen war/wäre gerufen worden.
Futurperfekt: Das Mädchen wird/werde gerufen worden sein.

Bei dem am Rande des verbalen Paradigmas stehendem sein-Passiv verfügt das Hilfsverb sein ebenfalls über die gesamten Tempus-Modus-Formen von sein.

Sogenannte superkomponierte Perfektformen, in denen Perfektformen des Hilfsverbs haben/sein erscheinen, sind selten bzw. regional beschränkt:

  1. Er hat/hatte gearbeitet gehabt.
    Er habe/hätte gearbeitet gehabt.
  2. Er ist/war gekommen gewesen.
    Er sei/wäre gekommen gewesen.

Noch seltener (zumindest schriftsprachlich kaum belegt) sind superkomponierte Futurperfektformen, in denen werden mit dem bereits superkomponierten Infinitiv Perfekt kombiniert wird:

  1. Er wird/werde/würde gekommen gewesen sein.
  2. Er wird/werde/würde gearbeitet gehabt haben.

Zu Tempus und Genus Verbi im Formenparadigma der Vollverben

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Autor(en)
Gisela Zifonun, Marek Konopka
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