Verwendung des Imperativs

Der Imperativ ist wie die anderen grammatikalisierten Aufforderungsformen, also wie die Distanzform der Aufforderung und die Adhortativform, primär ein Phänomen der mündlichen Rede. Nur in Texten wie persönlichen Briefen, Anweisungstexten und Zitaten werden auch schriftlich Aufforderungsformen verwendet.

Liebe Unterzeichner der Petition und Leidende im Fall Funny, ich bitte euch, denkt einmal an die hungernden Kinder oder an sozial Benachteiligte (auch in unserem Land) und spendet 10 bis 100 Franken.
(St. Galler Tagblatt 21.7.2009, 28)

Auf die Budgetkrise im "Golden State" ging der "Gouvernator" mit keinem Wort ein, seine Devise angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise lautet: "Steh auf, fordere dich und andere auf, noch härter zu arbeiten und nutze die Krise. Das ist es, was Gewinner tun. Wenn die Welt nichts über deine Produkte weiß, wie willst du sie dann verkaufen?"
(VDI-Nachrichten 6.3.2009, 2)

"Dann iss doch was anderes, ist doch genug da", sagt meine Mutter.
(Berliner Zeitung 3.12.2005, 3)

Und da sind Millionen von Fernsehzuschauern, die alles noch besser wissen: "Na lauf schon", wittert die bierselige Kneipenrunde im Chor eine klare Torchance.
(Braunschweiger Zeitung 17.06.2006, o.S.)
Wie alle grammatikalisierten Aufforderungsformen ist der Imperativ sehr direkt und deshalb nur zu verwenden, wo direkte Aufforderung vom Aufgeforderten voraussichtlich akzeptiert wird.

Wer eine Aufforderung mit einem Imperativ formuliert, hält sich nicht lang mit Förmlichkeiten auf: Komm her! Entsprechend ist der Gebrauch des Imperativs in der Regel auf Handlungszusammenhänge beschränkt, in denen Sprecher vertrauten Umgang miteinander pflegen, etwa auf häusliche Arbeiten, Unternehmungen im Freundeskreis oder sportliche Aktivitäten, die zwecks schneller Koordination von Spielhandlungen knappste Anweisungen erfordern: Fang! Siehe Imperativ und Aufforderung.

So gesehen wird auch die Auffassung verständlich, es handle sich beim Imperativ um eine Form in der zweiten Person: Nur wenn die Beteiligten per Du miteinander umgehen, kommt ein Gebrauch des Imperativs in Frage. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, wirkt ein Imperativ beleidigend oder anbiedernd.

Zum Text

Schlagwörter
Autor(en)
Gisela Zifonun, Bruno Strecker
Bearbeiter
Elke Donalies.
Letzte Änderung
Aktionen
Seite als PDF
Seite drucken
Seite zitieren

Seite teilen