Genus
Hier ist die Stadt.
Hier ist das Haus.
Da vorne steht die Turm.
Da vorne fährt der Bahn.
Da vorne kommt die Auto.
Da vorne hält das Bus.
Da vorne ist der Museum.
Je nachdem, welcher Artikel verwendet werden muss, lassen sich Nomen in unterschiedliche Gruppen einteilen. Manche Nomen brauchen den Artikel der, manche brauchen die und manche brauchen das. Diese Einteilung nennt man das Genus.
Mehr zu den Artikeln findest du in diesem Lernbaustein.
Das Genus ist das grammatische Geschlecht eines Nomens. Es ist eine Möglichkeit, verschiedene Nomen, die sich grammatisch ähnlich verhalten, ein einer Kategorie zusammenzufassen. Das Genus eines Nomens lässt sich nicht durch Flexion ändern (anders als Kasus und Numerus). Im Deutschen gibt es die Genera Maskulinum, Neutrum und Femininum.
In unserer Sprache unterscheiden wir die Genera Maskulinum, Femininum und Neutrum. In anderen Sprachen – wie Französisch, Italienisch oder Spanisch – gibt es nur zwei Genera: Maskulinum und Femininum. In wieder anderen Sprachen kann es ganz unterschiedliche Genuskategorien geben. Norwegisch, Schwedisch, Dänisch oder Friesisch etwa sind mit dem Deutschen eng verwandte Sprachen, haben aber nur zwei Genera (Neutrum und Utrum, in etwa: unbelebt und belebt). Das heutige Englisch dagegen hat zum Beispiel gar kein ausdifferenziertes Genussystem bei den Nomen.
Genus und Artikel
Das Genus erkennt man nur in seltenen Fällen direkt am Nomen. Man erkennt es aber am Artikel, der das Nomen in der Grundform begleiten kann.
die Stadt: Femininum
das Haus: Neutrum
Achtung: Im Nominativ und Akkusativ Plural haben alle Nomen den Artikel die. Sie können dann leicht für ein feminines Nomen gehalten werden:
Das grammatische Genus eines Nomens und das biologische Geschlecht sind klar zu trennen. Dennoch gibt es besonders bei den Personenbezeichnungen Zusammenhänge: Meistens werden Personen entsprechend ihres biologischen Geschlechts bezeichnet.
der Mann, der Vater, der Bruder (Maskulinum)
Einige Nomen können auch geschlechtsneutral gebraucht werden:
Sollen mehrere Personen, die verschiedene biologische Geschlechter haben, mit einem gemeinsamen Begriff bezeichnet werden, wird üblicherweise ein generischer Begriff gewählt:
(Generisches Femininum:) Gut, dass es einer der beiden Geiseln gelungen war, trotz der Bewachung durch zwölf schwerbewaffnete Personen eine SMS abzusetzen. (DIV/EPB.00001 Emme, Pierre: Ballsaison, [Kriminalroman]. – Meßkirch, 25.03.2011)
(Generisches Neutrum:) Ihre Opfer sind gewöhnlich zahlungskräftige Mitglieder der italienischen Oberschicht. (Z80/AUG.00022 Die Zeit, 01.08.1980, S. 11; Die Entführungs-GmbH)
Wenn du den passenden Artikel oder das Genus eines Nomens nicht kennst, kannst du es in einem Wörterbuch herausfinden. Ein Eintrag in einem Wörterbuch sieht meistens so oder so ähnlich aus:
In keiner guten Erinnerung wird ein zwölf Jahre alter Schüler seine Klassenfahrt nach Heidelberg behalten. Der Schüler wurde nämlich bestohlen, als er sich an einem Kiosk in der Hauptstraße etwas kaufen wollte. (15/JUL.07699 Mannheimer Morgen, 25.07.2015, S. 29)
Der Erlös ist für die Klassenfahrt im April nach Dresden gedacht. (NKU22/DEZ.00714 Nordkurier, 05.12.2022, S. 15)
Meine achtjährige Tochter war unlängst vier Nächte auf Klassenfahrt, und das war für mich wahrscheinlich schwieriger auszuhalten als für sie. (L23/JUN.02518 Berliner Morgenpost, 25.06.2023, S. 10)
Wörterbücher sind alphabetisch sortiert. Die senkrechten Striche im Wort markieren die Silbengrenzen. Das Genus eines Nomens kannst du im Wörterbuch entweder daran erkennen, dass der passende Artikel vor dem Wort steht. Oder nach dem Wort steht in Klammern einer der Buchstaben m (für Maskulinum), f (für Femininum) oder n (für Neutrum). Bei manchen Nomen werden auch zwei wichtige Endungen angegeben: Die Endung für den Nominativ Plural und den Genitiv Singular. Mit diesen Angaben weißt du, wie das Wort nach Kasus und Numerus flektiert wird. Bei vielen Wörterbüchern folgt eine kurze Definition und Verwendungsbeispiele.
Es gibt auch digitale Wörterbücher, bei denen die Suche oft etwas einfacher ist. Ein allgemeines wissenschaftliches Wörterbuch, das kostenlos zugänglich ist, ist das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS). Die Benutzung ist sehr einfach: Du kannst in das gesuchte Wort einfach in das Suchfeld eingeben und erhältst alle wichtigen Informationen zu diesem Wort.
So sieht ein Wörterbuchartikel im DWDS aus:
(„Klassenfahrt“, in: DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, https://www.dwds.de/wb/Klassenfahrt, abgerufen am 01.08.2024)
Band, Bank, Bonbon, Gemälde, Heide, Korpus, Laptop, Liter, Moment, Steuer, Rat, Virus
- der/die/das Band: Maskulinum, Femininum, Neutrum
- die Bank: Femininum
- der/das Bonbon: Maskulinum, Neutrum
- das Gemälde: Neutrum
- der/die Heide: Maskulinum, Femininum
- der/das Korpus: Maskulinum, Neutrum
- der/das Laptop: Maskulinum, Neutrum
- der/das Liter: Maskulinum, Neutrum
- der/das Moment: Maskulinum, Neutrum
- die/das Steuer: Femininum, Neutrum
- der Rat: Maskulinum
- der/das Virus: Maskulinum, Neutrum
Manche Nomen haben mehrere Genera und bei manchen Nomen ist nicht ganz klar, zu welchem Genus sie gehören. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manchmal sind es Fremdwörter, die noch nicht lange zur deutschen Sprache gehören. Und manchmal bedeuten die Nomen mit einem anderen Genus etwas anderes, obwohl sie gleich aussehen. Oft ist das Genus auch regional unterschiedlich: In Süddeutschland sowie Österreich ist beispielsweise der Gummi stark verbreitet, in Nordwestdeutschland eher das Gummi.
Aus: Variantengrammatik des Standarddeutschen (2018).
http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Gummi.
Der Moment und das Moment — Bedeutungsunterschiede bei Genusvarianz
Der, die oder das Nutella? — Zum Genus von Produktnamen
Das Joghurt, der Joghurt, die Joghurt? — Variierendes Genus bei Fremdwörtern
Stadt – Land – Fluss — Zum grammatischen Geschlecht von Städte-, Länder- und Flussnamen
Genus und Suffixe
Bildung, Blümchen, Bürgertum, Dummheit, Eigentum, Fahrerin, Freiheit, Fremdling, Fröhlichkeit, Kanzlerin, Kindchen, Krankheit, Lehrerin, Lehrling, Leichtigkeit, Leidenschaft, Mannschaft, Neuling, Schreibung, Sportlichkeit, Versicherung
Maskulinum:
- -ling: (der) Fremdling, (der) Lehrling, (der) Neuling
Femininum:
- -ung: (die) Bildung, (die) Schreibung, (die) Versicherung
- -heit: (die) Dummheit, (die) Freiheit, (die) Krankheit
- -in: (die) Fahrerin, (die) Kanzlerin, (die) Lehrerin
- -keit: (die) Fröhlichkeit, (die) Leichtigkeit, (die) Sportlichkeit
- -schaft: (die) Mannschaft, (die) Leidenschaft
Neutrum:
- -chen: (das) Kindchen, (das) Blümchen
- -tum: (das) Bürgertum, (das) Eigentum
Diese Endungen kann man als Bausteine verstehen, aus denen Wörter aufgebaut werden. Sie kommen immer wieder mit unterschiedlichen Wortstämmen vor. Einen Baustein, der nach dem Wortstamm steht, nennt man Suffix. Bausteine, die vor dem Wortstamm stehen, heißen Präfix. Die Bildung von neuen Wörtern aus immer gleichen Bausteinen nennt man Derivation.
Hannigkeit, Wahmerin, Ginsheit, Doppigkeit, Lieperin, Tellchen, Bröhling, Larfung, Schannchen, Dinkung, Laffheit, Niefling
Auch bei Fremdwörtern hilft dir das Suffix, das richtige Genus herauszufinden.
Tipp: Du kannst das Genus in einem Wörterbuch nachschlagen.
Biologe, Blamage, Buddhismus, Chemie, Chirurgie, Computer, Dermatologe, Diskretion, Doktor, Elektronik, Extremismus, Friseur, Harmonie, Identität, Jongleur, Katalysator, Linguist, Massage, Meeting, Naivität, Optimist, Pessimist, Perfektion, Physik, Projektor, Provokateur, Psychologe, Rarität, Reportage, Rezeption, Scanner, Shopping, Sozialismus, Technik, Timing, Toaster
Maskulinum:
- -loge: (der) Biologe, (der) Dermatologe, (der) Psychologe
- -ismus: (der) Buddhismus, (der) Extermismus, (der) Sozialismus
- -er: (der) Computer, (der) Scanner, (der) Toaster
- -or: (der) Doktor, (der) Katalysator, (der) Projektor
- -eur: (der) Friseur, (der) Jongleur, (der) Provokateur
- -ist: (der) Linguist, (der) Optimist, (der) Pessimist
Femininum:
- -age: (die) Blamage, (die) Massage, (die) Reportage
- -ie: (die) Chemie, (die) Chirurgie, (die) Harmonie
- -ion: (die) Diskretion, (die) Perfektion, (die) Rezeption
- -ik: (die) Elektronik, (die) Physik, (die) Technik
- -ität: (die) Identität, (die) Naivität, (die) Rarität
Neutrum:
- -ing: (das) Meeting, (das) Shopping, (das) Timing
Aus dem Suffix kannst du oft auch den Numerus ableiten.
Nur bei Nomen mit Suffix kann man das Genus relativ sicher erkennen. Bei anderen Nomen ist die Genuszuordnung viel unsicherer. Es gibt aber ein paar Tendenzen:
- Nomen mit nur einer Silbe sind oft Maskulina: der Tisch, der Streit, der Kreis
- Nomen, die auf Schwa enden, sind oft Feminina: die Blume, die Wiese, die Straße
- Nomen, die auf -el, -en oder -er enden, sind oft Maskulina: der Löffel, der Rücken, der Hammer
- Je mehr Konsonanten ein Nomen am Wortanfang oder Wortende hat, desto wahrscheinlicher ist es ein Maskulinum: der Spaß, der Strumpf, der Stuhl, der Schutz
Wozu braucht man ein Genus?
Das Genus hilft, in komplizierten Sätzen den Überblick zu behalten:
(2) Die Lehrerin erinnert den Schüler vor dem großen Museum daran, dass sie in Paris steht.
(3) Die Lehrerin erinnert den Schüler vor dem großen Museum daran, dass es in Paris steht.
Wen besucht Rotkäppchen, seine oder ihre Großmutter? — Korrespondenz zwischen Genus und Sexus
Das Genus ist in erster Linie eine grammatische Kategorie. Es hilft dabei, Nomen in grammatische Klassen einzuteilen. Das trägt zur Übersichtlichkeit von Sätzen bei und beugt Missverständnissen vor.