Prapositionen als Adverbien

Bestimmte Prapositionalphrasen treten auch in Konstruktionen auf, in denen auf die Prapositionalphrase eine weitere direktionale Praposition oder ein direktionales Adverb folgt.

Unterm Zaun durch kroch ein Igel.
Er kam hinter dem Tor (her)vor.
Der Nachbar grinste vom Garten heruber.
Er stopfte das Hemd in die Waschmaschine hinein.

Der Status der Konstruktion und ihrer Bestandteile wird nicht auf den ersten Blick deutlich. Zu klaren ist, ob hier Modifikation oder Komplementation vorliegt, welches der Kopf der Konstruktion ist und in welchem Verhaltnis die Konstruktion zu Praverbfugungen wie durchkriechen, vorkommen, hineinstopfen steht.

Syntaktische Funktion der Konstruktion

Der Konstruktionstyp ist auf den Bereich direktionaler Adverbialia beschrankt. Direktionaladverbialia sind immer Komplemente. Das ubergeordnete Verb bezeichnet eine Bewegung (kriechen, kommen) oder ist zumindest in der Kombination mit dem postponierten richtungsanzeigenden Element als zielgerichtete Bewegung interpretierbar (grinste heruber, stopfte hinein).

Kategoriale Klassifikation der Konstruktion

Statt einer Prapositionalphrase kann prinzipiell auch ein direktionales Adverb auf diese Weise konstruiert werden.

Ein gewagter Schritt hinterher und Abgang hinter den Vorhang. Noch zweimal kommt Harald Juhnke dahinter vor, Beifall wieder, aber kein Ruf nach Zugabe.
(Suddeutsche Zeitung 30.3.1998, 14)

Viele kleine Wahrnehmungsfitzelchen flattern hintereinander her. Ein roter Handlungsfaden schimmert nur schemenhaft darunter durch.
(die tageszeitung 29.7.1997, 19)

Und der Weg vom Parkhaus, das im Gleisdreieck liegt, soll attraktiver werden. Der Architekt denkt an eine Brucke uber die Gleise, so da? die Kunden kunftig nicht mehr darunter durch mussen.
(Frankfurter Rundschau 29.10.1998, 3)

Das postponierte Element selbst ist nur in seltenen Fallen (durch, vor) eine reine Praposition, alle anderen Prapositionen mussen in dieser Position morphologisch zu einem Richtungsadverb erweitert werden: (zum Gipfel hinauf) blicken, (an die Wand dran) nageln. Erscheinen diese Prapositionen ohne Erweiterung, liegt das Konstruktionsmuster Praverbfugung vor: zum Gipfel aufblicken, an die Wand annageln.

Beziehung zwischen den beteiligten Ausdrucken

Die Prapositionalphrase und das postponierte Element mussen dieselbe Richtungsdimension bezeichnen, sodass haufig Praposition und postponiertes Element pleonastisch sind (durch den Wald durch, auf den Berg hinauf, aus dem Wald raus, in den Wald hinein). Die Prapositionalphrase ist als kontextuell erschlie?bares Argument ohne Bedeutungsveranderung weglassbar, nicht hingegen das postponierte Element. Diese Weglassbarkeit der Prapositionalphrase ist ein starkes Indiz dafur, dass nicht sie, sondern das postponierte Element den Kopf der gesamten Konstruktion bildet.

Er kam (her)vor.
*Er kam hinter dem Tor.

Er kroch durch.
*Er kroch unter dem Zaun.

Er grinste heruber.
*Er grinste vom Garten.

Stellungseigenschaften der Konstruktion

Prapositionalphrase und postponiertes Element sind trennbar. Das postponierte Element kann dann uber eine Restrukturierung zu einer Praverbfugung ins Verb inkorporiert werden.

Hinter dem Tor kam er (her)vor.
Unterm Zaun ist er durchgekrochen.
Vom Garten hat er herubergegrinst.

Rekursivitat

Die Konstruktion kann nicht rekursiv erweitert werden.



Die hier in Abgrenzung zu Ma?modifikatorkonstruktionen und Adverbialkombinationen aufgelisteten Eigenschaften der Konstruktion sprechen fur eine Analyse des postponierten Elements als Kopf der Konstruktion. Da in dieser Position uberwiegend Adverbien und nur selten reine Prapositionen auftreten, umgekehrt aber auch manche Prapositionen in anderen Kontexten unerweitert wie Adverbien fungieren konnen (Helm ab, die Nacht durch, die Tur ist zu), ist eine durchgehende Kategorisierung der postponierten Elemente als Adverbien vertretbar. Der Konstruktionstyp durch den Wald durch gehort somit zur Kategorie Adverbphrase und fungiert als direktionales Adverbialkomplement zu einem ubergeordneten Ausdruck, der eine Leerstelle fur eine Richtungsbezeichnung hat.

Wir wandern durch den Wald durch.
die Wanderung durch den Wald durch

Zu klaren bleibt, in welcher Relation die anteponierte Prapositionalphrase zu dem Kopf-Adverb steht. Die kontextuelle Erschlie?barkeit der Prapositionalphrase bei Weglassung und ihre direktionale Semantik sind starke Komplementfursprecher, andererseits werden Adverbien gemeinhin nicht als Valenztrager angesehen. Ob aber Modifikation vorliegt, hangt davon ab, ob man heruber die gleiche Kategorie zuweist wie vom Garten heruber. Zwar sind beide Ausdrucke in der selben Umgebung moglich, eine rekursive Erweiterung ist aber ausgeschlossen. Wir lassen hier unentschieden, ob die Prapositionalphrase Modifikator oder Komplement zu ihrem Kopf ist, oder eine Konstruktion sui generi

Siehe vertiefend Prapositionen in Praverbfugungen und Verbkomposita mit Prapositionen und
Zirkumpositionsartige Konstruktionen.

Weiterfuhrende Literatur in Auswahl

Olsen 1996; Olsen 1997; Olsen 1998, Olsen 1999.

Siehe auch Verbpartikel in Spezialbibliografie Prapositionen.


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Autor(en)
Eva Breindl
Bearbeiter
Elke Donalies
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