Ersatzinfinitiv

Bei Modalverben des Kernbereichs und brauchen wird im Perfektparadigma statt des Partizips II der Infinitiv verwendet, wenn ein vom Modalverb regierter Infinitiv vorhanden ist:

[1] Er hat kommen können/sollen/müssen.
[1a]* Er hat kommen gekonnt/gesollt/gemusst.
[2] Er hat nicht (zu) kommen brauchen.
[2a]* Er hat nicht (zu) kommen gebraucht.

Der "Ersatzinfinitiv" ist auch bei den AcI-Verben und helfen möglich.

Gelegentlich erscheint allerdings auch gekonnt + Infinitiv vor. Die Vermutung, diese Form werde genutzt, um die intrasubjektive Verwendung von anderen Verwendungen zu differenzieren, lässt sich nicht eindeutig belegen. In dieser Weise ist zwar (3) gegenüber (3a) differenziert:

[3] Skilaufen hat er nicht gekonnt, sonst war er im Sport ein Ass.
[3a] Skilaufen hat er nicht können. Es lag zu wenig Schnee in Michelfeld.

Jedoch ist in intrasubjektiver Verwendung auch können + Infinitiv üblich:

[4] Der Angeklagte erklärte prompt, während des Krieges habe er zwar einen Traktor, nicht aber einen Lastwagen fahren können. Das Fahren mit Personenwagen und Lastwagen habe er erst 1947 gelernt. (Rhein-Neckar-Zeitung, 4.8.1987)

Zum Text

Schlagwörter
Autor(en)
Gisela Zifonun, Marek Konopka
Letzte Änderung
Aktionen
Seite als PDF
Seite drucken
Seite zitieren

Seite teilen