Modalitätskontexte bei Modalverben und Verben mit Propositionsausdruck

Modalverben

Bei Modalverben zeigt der Konjunktiv Präteritum häufig an, dass der Sachverhaltsentwurf, auf den sie angewandt werden, etwas betrifft, das nicht als Tatsache zu gelten hat. Hier kann die modale Relation selbst als faktisch gelten.

(...) ist mir gegenwärtig, wie bitter die damals verfemten Sprecher der Solidarnosc-Bewegung dieses vermisst haben: Glaubwürdige Zeichen der Verbundenheit von Seiten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die sich doch geradezu als Schutzpatron der Bedrängten hätte empfinden müssen.
(Bundestagsprotokolle 2. Halbjahr 1989, 11775)
'Es trifft zu, dass sich die SPD als Schutzpatron empfinden müsste, sich jedoch nicht als solchen empfindet.'

Die modale Relation kann aber auch selbst als möglich oder nicht wirklich dargestellt werden.

Wärest du nicht gegangen, hätte ich gehen müssen.
'Es wäre notwendig geworden, dass ich gehe, aber es wurde nicht notwendig'.

Verben mit Propositionsausdruck

Auch bei Verben wie wünschen, ermöglichen, verdienen, sich lohnen, die eine Infinitivkonstruktion oder einen dass-Satz als Komplement haben können, kann der Konjunktiv zur Anzeige von Nicht-Faktizität des eingebetteten Sachverhaltentwurfs verwendet werden.

Wir haben einen Antrag vorgelegt, der ermöglicht hätte, die Fünfprozentklausel (...) in der Weise anzuwenden, dass sie lediglich auf die Länder bezogen wird .
(Bundestagsprotokolle, Sitzung Nr. 219, 8.8.1990)
'Der Antrag hat es ermöglicht, aber er ist nicht angenommen worden. Die Fünfprozentklausel wird nicht in der Weise angewandt.'
"Mehr ist wohl nicht drin", meinte ein 35-jähriger Volkspolizist, der sich allerdings gewünscht hätte, dass die Sparguthaben in voller Höhe 1:1 umgestellt würden.
(Frankfurter Rundschau 25.4.1990, 9)
'Er hatte es sich gewünscht, aber es ist nicht eingetreten'.


Zum Text

Schlagwörter
Autor(en)
Gisela Zifonun, Bruno Strecker
Bearbeiter
Elke Donalies
Letzte Änderung
Aktionen
Seite als PDF
Seite drucken
Seite zitieren

Seite teilen