Propädeutische Grammatik

Komposition

Die Komposition (zu lat. compositio 'Zusammenstellung'), auch Zusammensetzung genannt, ist neben der Derivation eines der beiden Hauptverfahren zur Bildung neuer Wörter. Vgl. Komposition versus Derivation.

Beispiele

Königsmantel
Politthriller
Kleingarten
Vordach
Wir-Gefühl
bildschön
bibliophil
knirschkauen
Wollen-Sie-das-wirklich-wissen-Lächeln
Bei der Komposition werden mindestens zwei Einheiten zu einem Kompositum zusammengesetzt. Das Zweitglied (bzw. das Letztglied, d. h. der am weitesten rechts stehende Wortbaustein) bestimmt üblicherweise – d. h. außer bei Kopulativkomposita – die grammatischen Eigenschaften des Kompositums, unter anderem dessen Wortart.

Beteiligt sind beispielsweise Nomina wie König, Bild, Adjektive wie klein, schön, Verbformen wie knirsch, kauen, Präpositionen wie vor, Pronomina wie wir, Konfixe wie phil, polit oder auch andere Wortarten. Für die syntaktische Verwendung ist im Normalfall – d. h. bei Determinativkomposita – die zweite/rechte Einheit ausschlaggebend; die nachfolgende Grafik illustriert Wort(klassen)bildung für ein Nomen-Adjektiv-Kompositum und ein Adjektiv-Nomen-Kompositum:

Es können auch mehr als zwei Einheiten miteinander kombiniert werden:

Königsmantelfabrikant
wintergrasgrün
Bibliophilenparty

Komposita sind nach ihrer speziellen Bildungsart weiter zu unterscheiden in:

  • Determinativkomposita mit syntaktisch und semantisch hierarchischen Einheiten wie z. B. pantherelegant
  • Kopulativkomposita mit syntaktisch und semantisch gleichwertigen Einheiten wie z. B. schwarzweiß

Zur Komposition werden hier auch die marginaleren Wortbildungsarten Reduplikation (Wirrwarr, Schickimicki) und Kontamination (Mammufant, fahrradiesisch) gerechnet. Auch einige der sogenannten Zusammenbildungsprodukte, etwa Appetithemmer, werden hier als Komposita verstanden; vgl. Zusammenbildung.

Außerdem werden mitunter die Produkte der sogenannten Zusammenrückung als Komposita angesehen (Vergissmeinnicht). Diese Bildungen werden hier nicht als Komposita, sondern als Konvertate aus Sätzen und Phrasen analysiert: Vergiss mein nicht! wird zu Vergissmeinnicht. Vgl. Zusammenrückung.

Die Komposition ist eine leicht handhabbare Wortbildungsart; besonders die Bildung von Nomina ist kaum beschränkt. Je nach Art des Wortbildungsprodukts sind zu unterscheiden:

Wie alle anderen Wortbildungsprodukte auch werden Komposita stets zusammengeschrieben. Besonders bei Determinativkomposita kommen aber relativ häufig mehr oder weniger sprachkreative Abweichungen von dieser Rechtschreibregel vor; vgl. Besonderheiten der Kompositaschreibung.

Zusätzliche Literatur in Auswahl

Olsen 2000; Donalies 2003; Kauffer 2005; Fuhrhop 2007; Eichinger 2010.

Zum Text

Autor(en)
Elke Donalies
Bearbeiter
Roman Schneider
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